Der improChor Kiel lädt ein zum 4. Werkstattkonzert "Konzert im Dunkeln"

am Samstag, 2. November 2019 um 19 Uhr in die St. Christian-Kirche in Garding.

Fragen an Chorleiterin Gisela Farenholtz, gestellt von Karin Harms, bis zu ihrem Umzug nach Garding Mitglied im improChor.

Werkstattkonzert? Was ist damit gemeint?

Wir kommen ohne Programmheft, ohne Notenblätter, nur mit einem relativ groben Konzept, das wir während des Konzerts in Geräusche, Töne und Klänge umsetzen. Die Musik entsteht von Moment zu Moment. Die musikalischen "Werke" sind also nicht schon vorher da, sondern ergeben sich aus der Interaktion der Chormitglieder untereinander, mit dem Raum und mit der Situation. Wir teilen mit den Zuhörenden ein neugieriges interessiertes Lauschen auf das, was als nächstes kommt.

Konzert im Dunkeln – wird es richtig dunkel? Warum?

Zuerst nicht. Die Konzertbesucher kommen in die normal beleuchtete Kirche. Nach einer kurzen Einführung wollen wir das Licht löschen und die Dunkelheit hörend erleben. "Töne sind ein wunderbarer lebender Atem der Dunkelheit", sagt Clemens Brentano, "wie alles rauscht und lebt und mit uns spricht ..." Im Dunkeln hören wir deutlicher, weil die Augen uns nicht ablenken.

Wird das Publikum in das Konzert mit einbezogen?

Nur hörend. Unsere Musik entsteht als Live-Performance in einer ruhigen Atmosphäre der Achtsamkeit – darin sind die Zuhörenden mit einbezogen und können sich ganz aufs Hören und die Assoziationen konzentrieren, die ihnen dabei kommen.

Probt ihr immer noch alle 14 Tage? Und seit wann gibt es den Chor?

Seit knapp 4 Jahren treffen wir uns regelmäßig alle 14 Tage für 2 Stunden. Wir proben in einer Kirche in Kiel-Friedrichsort und genießen die gute Akustik dort.

Viele fragen sich sicher, wie so eine Probe aussieht. Es gibt ja keine Stücke – wie kann man Improvisation proben?

Sicherlich sind die Proben anders als in Chören, die komponierte Stücke einüben.

Wir suchen an den Übungsabenden nach dem Zugang zu unserer schöpferischen Quelle, indem wir locker werden und den Alltag ein Stück loslassen. Wir üben, die Stimme als Instrument einzusetzen, das immer durchlässiger und freier klingt (nebenbei gewinnt die Stimme an Klangfülle, Ausdruck und Ausdauer). Und wir üben, uns selbst, die anderen Chormitglieder und die Situation immer offener wahrzunehmen und darauf zu reagieren. So entsteht aus den verschiedenen Stimmen bei aller Vielfalt ein Ganzes.

Was muss man denn mitbringen, um dabei zu sein?

Das Wichtigste ist eine Art Forschergeist in Bezug auf Geräusche, Klänge, Töne und die eigene Stimme. Also Neugier, Interesse und die Bereitschaft, sich auf "Unerhörtes" einzulassen. Die Fähigkeit, Töne oder Rhythmen zu halten, ist nicht Voraussetzung. Jede Stimme darf so sein, wie sie ist!

Wie bist du dazu gekommen, den Chor zu gründen?

Ich bin von Haus aus Stimmtherapeutin in eigener Praxis und gebe Kurse und Workshops für Leute, die ihre Sprech- und/oder Singstimme entwickeln wollen. In der Stimmbildung kommen immer wieder improvisierte Töne vor, die mir als Musik in die Ohren springen, weil ich den Musikbegriff sehr weit fasse. Daraus ist die Idee zum improChor entstanden.

Danke! Als ehemaliges Mitglied des improChores Kiel freue ich mich sehr, "meinen" Chor in der St. Christian-Kirche in Garding hören zu können. Mir fehlen die Stunden gemeinsamen Tönens, die meiner Stimme über die Jahre Kraft und Klang gegeben haben.